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Fragt man nach jugendkulturellem Leben in Potsdam, fallen die Antworten spärlich aus. Das mag auch daran liegen, dass Berlin weite Schatten über das trostlose Kaff wirft. Die verarmte potsdamer Clubszene jedenfalls bietet den an Potsdam gebundenen wenig Möglichkeiten ihren individuellen Escapismus auszuleben – da liegt es näher in berliner Clubs Zuflucht zu finden. Dennoch werden einige ambitionierte Kulturschaffende nicht müde, inmitten dieser ostzonalen Einöde Clubkultur zu gestalten. Diese Unternehmungen werden jedoch aufs extremste von einer unkooperativen Stadtverwaltung behindert. So mußte der Spartacus-Club, in dem viele Beteiligte eine letzte Insel der Freien Kulturszene  Potsdams sahen, im Sommer diesen Jahres schließen. Darauf reagierten die Verstoßenen, im Zuge einiger Protestaktionen und verliehen ihrer Forderung nach jugendkulturellen Freiräumen Nachdruck. Zuletzt fanden ca. 350 Feierwillige eine Skatehalle, in welcher sie eine Party veranstalteten. Diese wurde wenige Stunden später durch polizeiliche Brutalität aufgelöst, wobei zahlreiche Leute der Feiergesellschaft verletzt und einige verhaftet wurden. Eskalierende Polizeigewalt hat in Potsdam Methode und spricht offenbar die Sprache der städtischen Verantwortlichen; dass diese sich zur Durchsetzung ihrer Interessen der 24. Berliner Schlägerstaffel bedienen – ist erbärmlich!
Konsequenter Weise wird Potsdam von einigen Kulturaktivisten als Kulturfriedhof gekennzeichnet.

Radio Corax hat einen Beitrag dazu produziert:

Im Folgenden wird ein Artikel aus der PNN dokumentiert:

Potsdam: Polizei räumt besetzte Skaterhalle

10.11.2008
Henri Kramer

Rüdes Ende einer spontanen Hausbesetzerparty: Am Sonntagmorgen hat die Polizei eine nicht genehmigte Diskothek in der ehemaligen Skaterhalle am Palais Lichtenau aufgelöst und dabei drei junge Potsdamer vorläufig festgenommen. Der gestern zuständige Leiter der Wache-Mitte bestätigte den Einsatz, der wegen „ruhestörenden Lärms“ ausgelöst worden sei.

Die Tanz-Party mit zwischenzeitlich rund 250 Gästen fand nach einer der größten Demonstrationen von Potsdams links-alternativer Szene der vergangenen Jahre statt. Am Samstagnachmittag waren knapp 1500 junge Potsdamer friedlich durch die Innenstadt gezogen, um für mehr kulturelle Freiräume zu demonstrieren. Das Gelände der Skaterhalle an der Kurfürstenstraße hatte die Stadt jüngst an die adlige Eigentümerin des angrenzenden Palais Lichtenau verkauft. Nachdem Abriss soll dort ein Park entstehen. Bis diesen Herbst hatten die Wildwuchs-Streetworker die Halle genutzt.

Nach dem Einsatz gibt es nun heftige Kritik am Verhalten der Polizei, die mit knapp 100 Beamten der 24. Einsatzhundertschaft aus Berlin vor Ort gewesen sein soll. Viele Potsdamer Polizisten waren am Wochenende beim Castor-Transport eingesetzt, weswegen zuvor schon ein Heimspiel des SV Babelsberg 03 aus Sicherheitsgründen verlegt wurde.

Ein detailliertes Gedächtnisprotokoll stammt von Lutz Boede von der Wählergemeinschaft Die Andere, der fünf Uhr morgens informiert wurde und zur Halle lief. „Ich versuchte zwischen Polizei und den Gästen der Feier zu vermitteln. Die Musik wurde sofort abgestellt, die Anlage binnen 10 Minuten abgebaut“, sagte Boede. So hätte es nicht einmal mehr eine Ordnungswidrigkeit gegeben, die hätte unterbunden werden können. Zudem hätten Polizisten einzelne Anwesende als „Schwuchtel“ beschimpft und ihre Dienstausweise nicht vorgezeigt. Während die letzten 50 Party-Teilnehmer das Gelände verließen, seien die Polizisten plötzlich auf das Grundstück gestürmt und hätten geschlagen und geschubst. „Mit der Herstellung der Nachtruhe hatte das nichts zu tun – hier tobten Hooligans in Uniform persönliche Defizite aus“, so Boede. Mehrere Menschen seien verletzt worden, ein Krankenwagen war im Einsatz.

Ähnliche Schilderungen machten weitere Zeugen des Vorfalls. „Wir verurteilen das überzogene Vorgehen“, sagte Tamás Blenessy, Sprecher des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität Potsdam. Von dem Studenten-Gremium waren fünf Mitglieder vor Ort. „Die Polizisten hatten sichtlich schlechte Laune, weil sie mitten in der Nacht aus Berlin anrücken mussten“, sagte ein anderer Zeuge. Die Polizei hätte zudem selbst gestellte Vorwarnzeiten missachtet. Die Berliner Polizei will sich heute zu dem Vorfall äußern, sagte ein Sprecher der Behörde.

Aufgerufen zu der Party in der Skaterhalle hatte unter anderem der Spartacus e.V., der seit Monaten einen Innenstadt-Ersatz für das geschlossene Spartacus-Jugendhaus verlangt. Diese Forderung war auch ein Thema der Samstags- Demonstration unter dem Motto „Freiräume statt Schlossträume“. Seit Monaten steckt Potsdams alternative Soziokultur in der Krise. So droht dem Archiv-Zentrum in der Leipziger Straße die Schließung. Angesichts dessen forderten die Demonstranten neue Besetzungen und mehr Druck auf die Stadtpolitik.

Eine gute Nachricht für die Szene gab es allerdings aus der Babelsberger Uhlandstraße 24: Zwölf Bewohner haben den Kaufvertrag für das Haus unterschrieben, der Preis soll bei 230 000 Euro liegen. „Wir haben die bittere Kröte geschluckt“, sagte Sprecher Eric Blume. 1994 hatte die Stadt das Haus als Ersatz für geräumte Häuser zur Verfügung gestellt, 1999 wurde es an eine Erbengemeinschaft zurück übertragen, die gegen die Bewohner gerichtlich vorging. „Die Hilfe der Stadt für uns war spärlich“, kritisierte Blume.

Quelle: PNN

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1 Kommentar

  1. huhu


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